In seiner Stimme lag kein Zorn.
Dadurch wurde es irgendwie schwerer.
Zuhause stellte ich Marys gepresste Blume in einen kleinen Rahmen.
Darunter schrieb ich das Datum.
**14. Mai**
An dem Tag, als sie das rote Kleid kaufte.
An dem Tag, als sie vor dem Krankenhaus ein gelbes Gänseblümchen pflückte und scherzhaft meinte, man solle sie wegen Diebstahls verhaften.
An dem Tag, an dem wir noch glaubten, sie würde dieses Kleid selbst tragen.
Aaron stand neben mir, als ich den Rahmen neben einem Foto der Zwillinge aufhängte.
Auf dem Foto waren sie acht Jahre alt, beiden fehlten Zähne und sie lehnten sich aneinander.
Monatelang hatte sich jedes Foto von Mary wie ein Beweis für das angefühlt, was wir verloren hatten.
An diesem Abend änderte sich etwas.
Das Bild tat immer noch weh.
Aber es erinnerte mich auch daran, dass sie schon einmal hier gewesen war.
Sie hatte gelacht.
Sie hatte uns geliebt.
Und irgendwie hatte sie es am Tag von Aarons Abschlussfeier in einen Hörsaal geschafft, der mit Menschen gefüllt war, die sie nie zuvor gekannt hatten.
Sie erinnerten sich an das rote Kleid.
Sie erinnerten sich an die gelbe Blume.
Vor allem aber erinnerten sie sich an den Bruder, der seine Schwester so sehr liebte, dass er, während er sie bei sich trug, durch ihr Lachen hindurchging.
**Die eigentliche Frage lautet also: Wenn man jemanden, den man liebt, ehren will und dabei Spott, Ablehnung und Verurteilung riskiert, verbirgt man dann das, was einem wichtig ist, um sich selbst zu schützen – oder steht man aufrecht und zeigt der Welt, dass wahre Liebe stärker ist als Scham?**
